Fazit

Ein Semester lang haben wir uns nun mit der Welt im World Wide Web befasst. Nun ist es an der Zeit, unseren Blog abzuschliessen und ein Fazit aus unseren Erkenntnissen zu ziehen.

Bei unseren vielen Recherchen ist uns aufgefallen, dass die viele Menschen den Begriff Cybergesellschaft überhaupt nicht kennen. Natürlich kommen die meisten von selber darauf, dass das Wort vermutlich aus cyber (≈ online) und Gesellschaft zusammengesetzt ist, jedoch nicht, dass es als solches existiert. Unserer Meinung nach wird sich der Begriff bei der Bevölkerung auch nicht gross durchsetzen. Die Formen der Cybergesellschaft existieren zwar, werden jedoch nicht als solche wahrgenommen.

Nun möchten wir noch einige unserer wichtigsten Erkenntnisse aus den letzten paar Monaten mit euch teilen.

Die Cybergesellschaft setzt sich aus denkbar vielen Arten, Plattformen und Verhaltensweisen zusammen. Egal, ob man die wahre Liebe im Netz sucht, ein Rat zum Bewältigen des Liebeskummers braucht oder auch nur die alte Nähmaschine der Grossmutter irgendwie loswerden möchte, man ist Teil einer Gemeinschaft. Das war uns so nicht bewusst, doch wenn man sich darauf achtet (zum Beispiel wenn man einen Blog zur Cybergesellschaft schreibt), fallen einem viele kleine Dinge auf, die dies deutlich machen.

Einer der wichtigsten Aspekte, den wir ganz besonders hervorheben möchten, ist die ungeheure Solidarität im Netz. Natürlich kann man auf einer Plattform nicht allen Aussagen Glauben schenken, doch bei einem Ereignis wie „Je suis Charlie!“ stehen die Menschen im Netz geschlossen hinter- und nebeneinander. Sie geben sich gegenseitig Mut, Kraft und Trost. Dies herauszufinden war ein sehr schönes Erlebnis.

Doch immer wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören. Hiermit schliessen wir also unseren Blog. Wir sind uns allerdings sicher, dass wir uns in der einen oder anderen Form der Cybergesellschaft wieder treffen und dann vielleicht darüber diskutieren, ob 2 Franken pro Tag ein angemessener Preis für eine Lochzange sei.

– Nadine

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Funktioniert die Übernahme in die echte Welt?

In unserem ersten Beitrag haben wir uns folgendes Ziel gesetzt: „Wir legen in unserer Beobachtung besonderen Wert auf die menschlichen Aspekte, die verschiedenen Beziehungen, welche zwischen Menschen auf der anderen Seite des Modems entstehen und wir hinterfragen, ob eine Struktur dieser Art überhaupt ausserhalb des Netzes funktionieren kann.“

Die verschiedenen Beziehungen, die entstehen können, haben wir genügend unter die Lupe genommen. Wenden wir uns nun der Frage zu, ob diese auch in der realen Welt funktionieren können.

Wie man am Beispiel des WebVideoDay sehen kann, können Treffen im realen Leben tatsächlich von Erfolg gekrönt sein. Auch das Online-Dating hat einige Erfolgsstorys (aber auch viele Pleiten) vorzuweisen. Auch bei der kommerziellen Nutzung funktioniert das Treffen in der realen Welt in der Regel gut. So haben sich schon viele Freunde via Couchsurfing gefunden, die auch Jahre später noch miteinander in Kontakt stehen. Allerdings bezweifle ich, dass man gleich beste Freunde mit jemandem wird, der einem für eine Woche eine Kaffeemaschine ausleiht, was ja aber auch nicht der Gedanke dabei ist.

Organisierte Demonstrationen und Flashmobs sind gute Beispiele dafür, wie man einen Event online planen und dann offline durchführen kann. Allerdings könnten diese im Gegensatz zum Online-Dating oder Couchsurfing auch ohne Web geplant werden. Es würde sich nur alles ein wenig in die Länge ziehen, durch Zeitungsannoncen und Mund-zu-Mund-Propaganda. Eine kurzfristige oder versteckte Demo könnte man so wohl nur schwer organisieren.

Es hängt also stark davon ab, welche Beziehung man vom Cyberspace ins reale Leben übernehmen möchte. Cybergesellschaften kann man da wohl für einmal nicht als Oberbegriff verwenden, sondern müsste viele kleine Spezifikationen machen. Wichtige Faktoren dabei sind auch, ob man sich wirklich absichtlich zu einer Gruppe zusammenschliesst, wie bei der Planung einer Demonstration, oder eher zufällig den Tweet einer beliebigen Person auf Twitter kommentiert, einfach nur weil man der gleichen Meinung ist.

– Nadine

Organisierte Demonstrationen

Immer mehr Menschen drängen sich auf dem Bundesplatz in Bern, einige mit Transparenten, darauf die Beschwerde, der Aufruf, der Grund warum alle hier sind, andere tragen schwarze Tücher vor ihrem Gesicht, wieder andere sind gänzlich in schwarz gekleidet. Darunter laufen auch ganz normal gekleidete Menschen mit, so wie du und ich. Viele wirken ungeduldig, nervös, andere scheinen froh zu sein, vielleicht endlich etwas, dass sie schon lange bedrückt, loszuwerden. Es geht los, es ist Punkt drei Uhr nachmittags, langsam setzt sich der Zug der Menschen in Bewegung. Vorneweg das grosse Banner und ein Mann mit Megafon, er brüllt die Parole. Die Stadt steht still, die Demonstranten sperren den ganzen Platz, kein Tram, kein Auto, kein Bus kommt vorbei. Aufmerksamkeit, das ist es was sie wollen. Dass ihnen zugehört wird, ihrem Anliegen Beachtung geschenkt wird und manchmal wollen sie ihrem Zorn und ihrer Wut freien Lauf lassen.

Vielen Menschen ist ein bestimmtes Thema ein wichtiges Anliegen. Sie möchten sich mitteilen, möchten andere Menschen finden, die diese Gefühle teilen. Genau das finden sie in der Cybergesellschaft. Eine Gruppe von Menschen, welche dieselben Gefühle fühlen, dieselben Gedanken hegen und sich mitteilen wollen. „Free Tibet“, „Zukunft ist Erneuerbar – Schluss mit Atomkraft“, „Kein Mensch ist illegal“. Nichts ist einfacher, als eine Demonstration mit Gleichgesinnten zu organisieren und dank Internet und Co geht das auch richtig schnell. Ein Aufruf übers WWW funktioniert versteckt oder öffentlich.

Typisches Beispiel für öffentlich:

Demonstrationsaufruf

Auf einem beliebigen, viel besuchten Portal wird meist oben oder seitlich mit auffallender Farbe, die nächste Demonstration angekündigt.

Versteckte Beispiele sind schwerer aufzuzeigen. Sie laufen oft per „Mund“-Propaganda oder werden auf einschlägigen Seiten dezent vermerkt. Die Reithalle in Bern ist ein typischer Treffpunkt für Demo-motivierte Menschen. Viele davon haben sich gegenseitig im Verteiler, dank WhatsApp wissen eine Vielzahl von Menschen innert weniger Stunden von der nächsten Demonstration.

Natürlich hat die Generation der Cybergesellschaft ihre eigene Version einer Demonstration. Online-Demonstration oder auch Virtuelles-Sit-In ist ein Aufruf, eine bestimmte Webseite zu boykottieren, in dem man diese eben nicht boykottiert. Eine grosse Anzahl von Menschen besucht während einer Stunde immer wieder dieselbe Seite von verschiedenen Servern aus. Dadurch legt sich die Webseite selbst lahm oder verlangsamt sich stark. So wird Aufmerksamkeit geschaffen.

Es ist egal, womit eine Demonstration zustande kommt, wichtig ist, dass sich damit schnell eine Gruppe bildet, die sich so nicht kennt, aber durch einen Gedanken, eine Motivation verbunden ist und dafür einsteht. Sie stehen zusammen um eine Idee umzusetzen, oder um den Menschen etwas Wichtiges zurück ins Gedächtnis zu rufen.

– Nadja

Foren – der Online Ratgeber

Mein Kuchen wird nicht immer so luftig leicht, kann mir jemand helfen? Die Katze meiner Nachbarn macht mich durch ihr Miauen in der Nacht wahnsinnig, warum? Kann mir jemand den Unterschied zwischen Adjektiven und Adverbien im Französischen erklären? Fragen über Fragen. Scheinbar sinnlos werden im Netz Fragen über einfach alles gestellt. Oft kann Google bereits die Fragesätze beenden, die man schreiben möchte.

Jedem Menschen brennen Fragen auf der Zunge, oftmals sind sie banaler oder trivialer Art, doch selten tauchen auch Erkundigungen über Entstehung und Sinn (des Lebens?) auf. Damit in der Cybergesellschaft solche Fragen nicht an Hauswände gesprüht werden müssen, sind Foren entstanden. In einem Forum kann jeder Mensch zu bestimmten Themen Fragen stellen und die Community, eigentlich jeder Mensch im Cyberspace, kann Tipps, Ratschläge oder einfach Antworten geben.

Es gibt Foren, die sich nur auf bestimmte Themen beschränken, so gibt es ein Forum für Essen und Trinken (Chefkoch) und eines nur für Hausaufgaben (Science). Es gibt Diskussionsrunden, eine Unterart der Foren, auf denen werden ausschliesslich Diskussionen zu scheinbar unlösbaren Fragen gestellt und erörtert, so wie das Star Wars Forum, mit Fragen zum Beispiel zu der Entstehung der Jedi Ritter (Superherohype).

Fragensteller sowie Antwortgeber arbeiten beide mit Nicknames. Fragen können mit Hilfe des Netzes die Community der ganzen Welt erreichen (vielleicht nicht gerade in Schweizerdeutsch, aber in Englisch sicher), ebenso die Antworten darauf. Vielleicht kennt in der Schweiz niemand die Antwort, aber ein User in Pakistan kann eventuell die richtige Lösung nennen oder kennt einen Linkt mit Lösungsansätzen.

Die Meinung zu Foren gehen unterschiedlich auseinander, die einen finden es eine praktische Methode, um schnell an viele Antworten zu kommen und sich die nützlichsten auszusuchen, die anderen erkennen Schwachpunkte in diesem System. Nicht jede Frage kann oder wird beantwortet, einige antworten mit Sarkasmus und Ironie oder geben mit Absicht eine falsche Lösung ab.

Nichtsdestotrotz ist das Forum gut geeignet zum Austausch vom Meinungen, Ideen, Fragen und Antworten und zwar weltweit. Jeder Mensch hat Fragen, sollte es da nicht wichtig sein, diese zu beantworten? Jeder von uns kann „Lehrer“ sein und ein Teil seines Wissens weitergeben. Es nützt nichts, sich über die Dummheit anderer zu erbosen, besser ist helfen statt lamentieren.

Hilfe zur Selbsthilfe.

-Nadja

Netiquette

Die ganze Konversation im WWW kann natürlich nicht ohne Respekt und Regeln funktionieren. Dafür gibt es die Netiquette. Das Wort setzt sich zusammen aus „Net“ (Netz) und „Etiquette“ (Verhaltensregeln) und beschreibt die Verhaltensempfehlung in Foren und sozialen Netzwerken.

Zum Teil werden neben den zwischenmenschlichen Richtlinien die Sicherheit (also Verschlüsselung einer Nachricht) und die Standards zur Übermittlung einer Nachricht (Technik) zur Netiquette gezählt. Umgangssprachlich meint man jedoch nur das Verhalten im Netz.

Grundsätzlich gilt die Aussage: „Vergiss niemals, dass auf der anderen Seite auch ein Mensch sitzt!“ Das soll heissen, dass man sich jederzeit respektvoll und angemessen verhalten sollte. Der Knigge-Rat hat sogar Höflichkeitsregeln für soziale Netzwerke herausgegeben.

  1. Wählen Sie Ihre favorisierten Netzwerke sorgfältig aus
  2. Bleiben Sie authentisch
  3. Meiden Sie plumpe Vertraulichkeiten
  4. Lehnen Sie unerwünschte Anfragen ab
  5. Belästigen Sie Ihre Kontakte nicht
  6. Bleiben Sie freundlich
  7. Reagieren Sie humorvoll
  8. Halten Sie den Dialog lebendig
  9. Behalten Sie den Weitblick
  10. Schliessen Sie Trolle aus

Punkt 2 dient dazu, Geschäftspartner nicht zu verwirren oder sich selber als unglaubwürdig darzustellen. Punkt 6 ist meiner Meinung nach der wichtigste Punkt auf der Liste. Ohne Höflichkeit kommt man auch im WWW nicht weit und hinterlässt erst recht keinen guten Eindruck.

Ein weiterer Punkt, der allerdings nicht auf der Liste steht, ist die Lesbarkeit einer Nachricht oder eines Posts. Das soll heissen, dass ein TEXT IN REINEN GROSSBUCHSTABEN, fetter Schrift oder kursiv geschrieben nicht sonderlich gut lesbar ist. Zudem kann es schnell als aggressiv oder provozierend interpretiert werden.

Im Allgemeinen kann man jedoch sagen, dass es diese speziellen Regeln so nicht braucht, solange man einfach nur seinen normalen Menschenverstand und ein Mindestmass an Höflichkeit einsetzt.

– Nadine

YouTube-Abonnenten

YouTube bietet vielen neuen Talenten eine Plattform, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. So lassen sich neben Comedy-Sketches, eigene Interpretationen von Musikstücken, Let’s Plays auch Lernhilfevideos und ähnliches finden.

Der bekannteste Youtuber ist PewDiePie, der in Wirklichkeit Felix Kjellberg heisst. Auf seinen Kanal hat er unterdessen über 2300 Videos hochgeladen, die schon über 9 Milliarden Mal angeklickt wurden. Der Kanal selber zählt gute 23 Millionen Abonnenten. Dadurch kann er YouTube zu seinem Hauptberuf machen, sein jährliches Einkommen wird alleine durch Werbung auf seinem Kanal auf 7 Millionen Dollar geschätzt.

Im deutschsprachigen Raum liegen Gronkh, der für seine Let’s Plays bekannt ist, und Y-Titty (Comedy) vorne.

Viele Youtuber haben mittlerweile eine eigene Fanbase aufgebaut. Sie sind berühmt wie Schauspieler oder Musiker und werden sogar auf der Strasse erkannt. Y-Titty verkaufen zum Beispiel auch eigene Fanartikel und bekommen haufenweise Fanpost.

Ein Anlass, bei dem die YouTube-Community zumindest aus Deutschland zusammenkommt sind die VideoDays, die in Köln und neu auch in Berlin stattfinden. 2014 zählte der Event 15000 Teilnehmer resp. Besucher. Die Veranstaltung findet an zwei Tagen statt, dem CommunityDay und dem ShowDay. Am ersten Tag erhalten die Besucher die Gelegenheit, die YouTube-Künstler zu treffen, mit ihnen zu sprechen und Autogramme zu holen. Am zweiten Tag gibt es ein Bühnenprogramm mit den Grossen der Szene und dabei der PlayAward in verschiedenen Kategorien (Lifestyle, Comedy, Information, Musik, etc.) vergeben. Die VideoDays gelten als grösste YouTube-Show der Welt.

Das Hauptziel der Organisatoren für die gesamten VideoDays ist, den Fans so zu ermöglichen, ihren YouTube-Stars einmal live zu begegnen. Aus unserer Sicht könnte man wohl sagen: Man holt die Cybergesellschaft raus in die echte Welt.

Neben dieser „privaten“ Nutzung gibt es allerdings auch noch die kommerzielle. Firmen stellen ihre Werbespots auf YouTube und erreichen damit, dass sie millionenfach gesehen werden. Das bekannteste Video stammt da wohl von der Metro Trains Melbourne:

Der Song wurde über 105 Millionen Mal angeklickt und nistet sich, einmal gehört, wochenlang als Ohrwurm ein.

– Nadine

Flashmobs

Ein ruhiger Nachmittag in der Berner Altstadt, Menschen schlendern über den Markt und begutachten die feilgebotenen Waren der Händler. Plötzlich ein Pfiff und der Hauptanteil der Menschen stehen still, erstarrt in der letzten Bewegung. Verstört weichen die „normalen“ Marktgänger aus und blicken die starren Personen an. Ein weiterer Pfiff und die Menge löst sich auf, alles läuft wieder wie normal und hinterlässt ein paar verwirrt dreinschauende Menschen zurück.

Kurz nach Mittag in Stockholm erklingt überall in der Stadt, aus mitgebrachten Recordern Beat it von Michael Jackson. Während des gesamten Songs tanzen alle den offiziellen Tanz dazu. Als das Lieb endet verschwinden die Teilnehmer so schnell wie sie gekommen sind.

Diese Erscheinungen nennen sich Flashmobs und sind sicher eine der witzigeren Seiten der Cybergesellschaft. Es handelt sich dabei um eine scheinbar spontane Menschenansammlung, die scheinbar auch spontan die gleiche Aktion zur selben Zeit beginnt und danach wieder verschwindet.

Die Menschen kennen sich tatsächlich nicht, alles läuft anonym ab. Von einem unbekannten Organisator werden Datum, Zeit sowie das Signal und die Aktion bekannt gegeben, das kann über Facebook, Twitter etc. passieren und wird danach via Mundpropaganda oder Handy weitergeteilt. Natürlich hat sich die kommerzielle Seite bereits eingeschaltet und lässt Flashmobs zu Werbezwecken organisieren.

Uns interessiert aber, warum sollte ich an einem Flashmob teilnehmen? Einfach so aus Spass? Oder hat das tiefere Gründe?

Der erste offizielle und auch als solcher anerkannte Flashmob fand in Sydney 2003 statt. Dieser Flashmob sollte die satirische Seite unserer Gesellschaft repräsentieren. Viele die danach folgten waren eigentlich wirklich nur als Spass gedacht und sollten Menschen unterhalten oder zum Lachen bringen. Genauso wie der Flashmob in Jena DE, ein paar tausend Menschen traten an, nur um Seifenblasen zu machen und Spass zu haben.

Andere hatten mit Absicht einen bestimmten Hintergrund, um auf etwas aufmerksam zu machen. Wie 2011 in den grossen Städten der Schweiz versammelten sich Menschen der Amnesty Schweiz und wollten durch Leichentücher und Rosen auf die Menschenrechtsverletzungen in Syrien hinweisen.

Die letzte Art wurde bereits erwähnt und organisiert sich für einen bestimmten Werbezweck. Der beste Werbespot mit Flashmob Inhalt, ist von einem französischen Produzenten und macht Werbung für TicTac.

Zum Schluss ist nur zu sagen, dass niemand zu alt oder zu jung ist um Spass zu haben, für etwas einzustehen oder einfach nur, um für etwas sehr unterhaltsames Werbung zu machen.

-Nadja

Twitter Follower

Mittlerweile ist Twitter allen Menschen bekannt und bedarf eigentlich keiner Begriffsklärung mehr. Ganz kurz kann jedoch gesagt werden, dass Twitter ein Mikroblog ist, der es erlaubt, Mitteilungen (Tweets) mit bis zu 140 Zeichen zu posten. Es können auch Hashtags, externe Links und Verlinkungen auf andere Benutzer integriert werden. Diese Tweets kann man auf seinem eigenen Profil retweeten, favorisieren oder kommentieren. Als weiter Funktionen kann man einem Nutzer folgen (man wird zu seinem Follower) und bekommt dann dessen Posts auf seiner eigenen Startseite angezeigt. Ausserdem können sich Nutzer gegenseitig auch Direktnachrichten schicken, die dann nicht öffentlich gemacht werden. Durch all diese Funktionen kommt eine Interaktion zwischen den Nutzer zustande.

Das Spezielle an Twitter ist allerdings, dass nicht nur Normalsterbliche einen Account haben, sondern auch bekannte Persönlichkeiten. Katy Perry folgen beispielsweise über 60 Millionen Menschen weltweit. Sie rangiert damit auf der Rangliste ganz oben. Barack Obama folgt erst an dritter Stelle mit über 51 Millionen Follower.

Neben Berühmtheiten besitzen mittlerweile aber Firmen einen eigenen Account. Samsung, Google und Starbucks sind da vorne mit dabei. Auch kleinere Privatunternehmen nutzen Twitter, vor allem natürlich zu Marketingzwecken. Mit witzigen und unterhaltsamen Tweets macht man sich als Unternehmen menschlicher und potenzielle neue Kunden auf sich aufmerksam. Es existieren ganze Ratgeber zur Twitter Marketing Strategie. Darin werden unter anderem behandelt, wie und wann man am besten tweetet, wie lang der Tweet sein soll, und wie viele Hashtags sinnvoll sind.

Spannend zu beobachten ist, wie Personen via Twitter Rückmeldungen über ein Produkt oder eine Dienstleistung an ein Unternehmen geben und meist von einem, nur für diese Zwecke eingestellten, Mitarbeiter eine Antwort bekommen.

Aus cybergesellschaftlicher Sicht ist ebenfalls interessant, wie sich die Menschen unter bestimmten Hashtags oder auf Seiten von berühmten Persönlichkeiten zusammen finden und rege über ein Thema diskutieren.

Somit hat man das Gefühl, mit diesen Menschen in Verbindung zu stehen, obwohl man diese in der realen Welt eigentlich gar nicht kennt und vermutlich nicht mal ihren wirklichen Namen sagen könnte.

– Nadine

Solidarität – Je suis Charlie!

Wir schreiben das Jahr 2015, es ist der 7. Januar, am späten Nachmittag. Auf Facebook prangt weiss auf schwarz in Grossbuchstaben JE SUIS CHARLIE!, nur drei Minuten später wird es weitergeteilt, bis am nächsten Tag gibt es fast keine Statusseiten mehr ohne diese Parole.

Was am 7. Januar 2015 gegen Mittag in der Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo passiert war, erschütterte die Welt. Keine halbe Stunde nach dem Attentat, erschien die Parole Je suis Charlie! in der Welt des Social Media. Via Facebook, Instagram, Twitter und Co. verbreitete sie sich über die ganze Welt.

Das Netz reagierte schnell. Jeder zeigte sein Mitgefühl durch das posten der Parole. Schweigeminuten wurden virtuell abgehalten und Treffen in der Öffentlichkeit organisiert. Die Anteilnahme war riesig und vergrösserte sich stündlich. Man zeigte sich solidarisch und wies diese Gräueltat in die Schranken. Fast niemand auf der Welt konnte sich davon entziehen, das Netz ist weit verbreitet, den Rest erreichen die Bilder von toten Menschen und die Parole Je suis Charlie! über das Fernsehen.

Menschen überall auf der Welt stossen Schreie der Wut und Verzweiflung aus. Zurück bleibt das Gefühl der Verständnislosigkeit und Trauer. Viele beteiligte und unbeteiligte fühlen so und stossen im Netz auf Verständnis und Anteilnahme. Schnell bilden sich Gruppen im Netz, jeder möchte zeigen wie stark die Gemeinschaft ist und der Zusammenhalt ist. Einer für alle, alle für einen! Nie wieder soll ein solches Attentat geschehen, dafür stehen alle hinter der Parole Je suis Charlie!.

Es ist nirgendwo so einfach seine Gefühle zu zeigen, wie im Netz, hier verdeckt dich der Schleier der Anonymität. Hier kann jeder öffentlich zu seinen Gedanken und Gefühlen stehen. Oft ist es schwer genau das in der realen Welt zu verwirklichen, oder schwierig seine Gefühle in Worte oder Bilder zu fassen. Vielleicht wäre ohne die Parole Je suis Charlie! die Nachricht mit vielen anderen Nachrichten über Tod, Hunger und Elend im Strudel der Medien versiegt. Die Gemeinschaft im Netz braucht ein Bild, einen Satz, einen Menschen der Ihnen ein Sinnbild für eine Tat liefert, so können alle geschlossen hinter diesem Symbol der Solidarität stehen und ihren Gefühlen einen Ausdruck verleihen.

So wie die Netzgemeinde geschlossen hinter Je suis Charlie! steht, so sollte auch die Welt geschlossen zu sich stehen. Wir sind ein Volk, eine Gemeinde, alles Menschen dieser Erde.

-Nadja

Verbundenheit im Netz

Ein Phänomen im Cyberspace ist die extreme Trauer über einen berühmten Menschen, der kürzlich verstorben ist. Nehmen wir als Beispiel Robin Williams.

Innerhalb von Stunden nach der Bekanntgabe seines Todes ist der Hashtag „#riprobinwilliams“ zu den Top Ten der weltweit meist gebrauchten Hashtags in Twitter aufgestiegen. Menschen auf der ganzen Welt trauerten via Twitter um ihren geliebten Schauspieler. Doch auch auf anderen sozialen Netzwerken war der Ausspruch „RIP Robin Williams“ zu lesen. Überall im Netz tauchten plötzlich Fotos von Robin Williams in seinen Rollen auf, manche Szenen wurden gar nachgestellt. Die Welle in den sozialen Medien war riesig und hält bis heute an.

Nicht nur um Schauspieler oder Sänger wird im Netz getrauert. Auch die Anteilnahme am Schicksal von Menschen in Krisengebieten oder bei Anschlägen und aktuellen Ereignissen ist riesig. Ein Beispiel wird im nachfolgenden Beitrag „Je suis Charlie!“ genauer erläutert.

Wieso die Menschen so reagieren, kann nicht genau erklärt werden. Vielleicht möchten die Menschen nur ihre Trauer kundtun und finden keinen anderen Weg oder aber sie möchten es der ganzen Welt mitteilen. Viele (vor allem jüngere) Social Media Nutzer nutzen den Satz „RIP ….“ vermutlich nur aus Gewohnheit, nicht weil sie wirklich trauern. Ich selbst habe ihn auch einmal gebraucht, allerdings hat mich der Tod von Steve Lee wirklich betroffen, da ich kurz vorher noch an einem Konzert seiner Band Gotthard war.

Die Anteilnahme im Netz ist einfach, schon durch einen kurzen Klick auf „Gefällt mir“ bei der Trauergruppe auf Facebook ist man dabei. Natürlich bezieht sich das „Gefällt mir“ dabei nicht darauf, dass einem der Tod des Menschen gefällt, sondern darauf, dass man ähnlich fühlt. Man sieht viele Personen, denen es ähnlich geht wie einem selbst. Man schliesst sich zusammen, kommentiert Posts einer anderen trauernden Person und gibt sich so gegenseitig Kraft. Obwohl sich die Menschen nicht persönlich kennen, fühlen sie sich verbunden. Dadurch, dass man mitbekommt wie andere Menschen berührt sind, wird das eigene Berührtsein noch verstärkt.

– Nadine